Was sagt die Wissenschaft über Yoga?
Dass Yoga Körper und Geist guttut, erfahren viele Menschen ganz persönlich auf der Matte. Doch auch die Wissenschaft beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, welche Auswirkungen regelmäßiges Yoga auf Gesundheit und Wohlbefinden haben kann.
Untersucht wurden unter anderem Rückenschmerzen, Migräne, psychisches Wohlbefinden, Herz-Kreislauf-Risikofaktoren sowie mögliche Zusammenhänge zwischen Yoga, Meditation und Gehirnfunktion.
Eine einzelne Studie beweist noch keine allgemeingültige Wirkung. Yoga kann außerdem eine medizinisch notwendige Behandlung nicht einfach ersetzen. Die Forschung liefert jedoch interessante Hinweise darauf, in welchen Bereichen Yoga unterstützend wirken kann.
Yoga bei chronischen Rückenschmerzen
Rückenschmerzen gehören zu den Bereichen, in denen Yoga besonders intensiv untersucht wurde.
Eine 2017 in den Annals of Internal Medicine veröffentlichte Studie untersuchte 320 Erwachsene mit chronischen unspezifischen Schmerzen im unteren Rücken.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden drei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe nahm an einem speziell entwickelten Yogaprogramm teil, eine zweite erhielt Physiotherapie und eine dritte bekam Informationsmaterial zur Selbsthilfe.
Nach zwölf Wochen zeigte sich, dass das untersuchte Yogaprogramm hinsichtlich der körperlichen Funktionsfähigkeit der Physiotherapie nicht unterlegen war. Die Studie liefert damit Hinweise darauf, dass geeignetes Yoga bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen eine sinnvolle Möglichkeit sein kann.
Yoga als Ergänzung bei Migräne
Auch bei Migräne gibt es interessante Forschungsergebnisse. Eine 2020 in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Studie untersuchte 160 Erwachsene mit episodischer Migräne.
Eine Gruppe erhielt die übliche medizinische Behandlung, die andere kombinierte diese Behandlung zusätzlich mit einem dreimonatigen Yogaprogramm.
Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Yoga-Gruppe verbesserten sich unter anderem Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzen stärker als bei alleiniger medizinischer Behandlung.
Wichtig dabei: In dieser Untersuchung wurde Yoga ausdrücklich ergänzend zur medizinischen Therapie eingesetzt.
Yoga und psychisches Wohlbefinden
Yoga verbindet körperliche Bewegung mit Atmung, Konzentration und Entspannung. Deshalb beschäftigt sich die Forschung auch mit der Frage, welche Rolle Yoga für das psychische Wohlbefinden spielen kann.
Untersuchungen und Übersichtsarbeiten liefern Hinweise auf mögliche positive Effekte in verschiedenen Bereichen. Die Ergebnisse sind jedoch nicht bei allen untersuchten Erkrankungen und Yogaprogrammen gleich.
Deshalb sehe ich Yoga hier vor allem als mögliche Ergänzung: Es bietet die Gelegenheit, den eigenen Körper wahrzunehmen, bewusst zu atmen und die Aufmerksamkeit für eine Weile aus dem Gedankenkarussell zurück in den gegenwärtigen Moment zu holen.
Yoga, Meditation und das Gehirn
Besonders spannend finde ich die Forschung darüber, wie langjährige Yoga- und Meditationspraxis mit der Gehirnfunktion zusammenhängen könnte.
Eine 2014 veröffentlichte Studie untersuchte erfahrene Yoga-Praktizierende, Meditierende und eine Vergleichsgruppe. Dabei fanden die Forschenden Unterschiede bei der sogenannten fluiden Intelligenz und bei der funktionellen Organisation von Gehirnnetzwerken.
Die Ergebnisse sind interessant, bedeuten aber nicht, dass damit bewiesen wäre, dass Yoga das Gehirn „jung hält“. Die Untersuchung liefert vielmehr Hinweise auf mögliche Zusammenhänge, die weiter erforscht werden müssen.
Yoga und Herz-Kreislauf-Gesundheit
Auch mögliche Auswirkungen von Yoga auf Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wurden wissenschaftlich untersucht.
Eine systematische Auswertung kontrollierter Studien fand Hinweise auf günstige Veränderungen verschiedener Risikofaktoren. Solche Ergebnisse sind interessant, müssen aber immer im Zusammenhang mit der jeweiligen untersuchten Gruppe und dem jeweiligen Yogaprogramm betrachtet werden.
Yoga ist deshalb kein Ersatz für eine medizinische Behandlung. Als regelmäßige Form von Bewegung, Atmung und Entspannung kann es aber Teil eines gesundheitsbewussten Lebensstils sein.
Was bedeutet die Forschung für die eigene Yogapraxis?
Für mich ist das Spannende an diesen Studien nicht die Vorstellung, dass Yoga ein Heilmittel für alles sein könnte. Das ist es nicht.
Viel interessanter ist, dass sich die Wissenschaft zunehmend mit Erfahrungen beschäftigt, die Menschen beim regelmäßigen Yoga ganz unmittelbar machen: Bewegung, bewusste Atmung, Konzentration, Entspannung und eine feinere Wahrnehmung des eigenen Körpers.
Und genau darin liegt für mich eine besondere Stärke von Yoga: Veränderung entsteht durch regelmäßige Praxis. Nicht durch Leistungsdruck und nicht dadurch, dass eine bestimmte Yogahaltung möglichst perfekt aussehen muss.
Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, was Yoga für Deinen Alltag bedeuten kann, lies auch: Warum Yoga?
Yoga selbst erfahren
Wissenschaftliche Studien können Yoga untersuchen und Wirkungen messen. Wie sich Yoga für Dich persönlich anfühlt, kannst Du jedoch nur auf der Matte erfahren.
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